Text von Donnerstag, 31. Oktober 2002
Marburg * (sts)
Die erfolgreichste Bigband Europas, "The United Jazz+Rock Ensemble", sagte am Mittwoch (30. Oktober) Farewel" Marburg". Den 300 Zuschauern in der Stadthalle boten die 10 Musiker auf ihrer Abschiedstournee noch einmal Jazzgenuß vom Feinsten. Anderes war aber auch nicht zu erwarten gewesen, schließlich waren lebende Legenden am Werk. Wolfgang Dauner bearbeitete wild entschlossen die Tasten des Pianos, genau wie Volker Kriegel und Dave King die Saiten von Gitarre und Bass. Barbara Thompson und Christof Lauer zelebrierten ihre Soloimprovisationen an den Saxophonen, während Jon Hiseman das Schlagzeug malträtierte. Zu Albert Mangelsdorff an der Posaune wäre jedes Wort zuviel, die Gänsehaut überfällt den Jazzfan bereits in dem Moment, wenn dieser Mann mit seinem Instrument die Bühne betritt. Im Jahre 1974 hatte sich das Ensemble durch die Fernsehsendung "Elfeinhalb" zusammengefunden. Sechs der zehn Musiker waren damals schon dabei. Die Resonanz der Fernsehzuschauer auf das "Elfeinhalb Ensemble" war so gewaltig, dass die Musiker das Label "Mood Records" gründeten und fortan unter dem Namen "The United Jazz + Rock Ensemble" für Furore sorgten. 14 Plattenveröffentlichungen und fast dreiß0 Jahre später, aber doch irgendwie überhaupt nicht älter, sind sie in diesem Jahr wohl zum letzten Mal in Marburg aufgetreten. Mit neuen Eigenkompositionen fast aller Bandmitglieder schwangen sie sich auf das Publikum in einen glückserfüllten Rauschzustand zu spielen. Überragende Stücke wie "A postcard for F.W. Bernstein" oder "Ein Flügelhorn im Herbst" sorgten für die magischen Momente, denen die Jazzgenießerinnen und Jazzgenießer förmlich entgegengefiebert hatten. Über die Musik hinaus gaben die Künstler auch die ein oder andere Anekdote zum besten. So erzählte Ack van Royen, wie er in den Besitz seines Flügelhorns gekommen ist: "Mein Urgroßvater vererbte es meinem Großvater, der es meinem Vater vererbte, der es mir verkaufte." So gab es zwischen den Stücken auch immer wieder etwas zu lachen. Am Ende des Konzertes ernteten die Künstler tosenden Beifall, in dem aber auch eine gewisse Wehmut mit schwang. Bleibt zu sagen: "Farewell Jazz+Rock Ensemble, aber ihr kommt doch noch mal wieder, nicht wahr? |