Text von Donnerstag, 5. Dezember 2002
Marburg * (set)
Über die Feiertage fährt die Studentin Canan Ulug zu ihren Eltern. Die junge Türkin studiert an der Philipps-Universität Politikwissenschaften. Am Donnerstag (5. Dezember) feiert sie - wie die meisten Muslime weltweit - das "Zuckerfest". Nach 30 Tagen Fastenzeit ist es endlich soweit. Das Fest nach dem Fastenmonat Ramadan - auf arabisch "Eid", türkisch und bosnisch "Bayram" - heißt auch "Zuckerfest", weil die Menschen ihre Taschen mit Bonbons füllen, um Kinder damit beschenken zu können. Das Fest des Fastenbrechens , mit dem die 30-tägige Fastenzeit ihren Abschluss findet, wird in den ersten drei Tagen des Folgemonats gefeiert. Es ist eines der Hauptfeste im Islam und gilt als besonders heilige Zeit. In dieser Zeit fasten praktizierende Muslime 30 Tage lang von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang. Das Fasten wird als sozialer Akt der Solidarität mit Bedürftigen verstanden. Die Mahlzeit am Abend nimmt man gemeinschaftlich ein. Man legt viel Wert darauf, das Essen mit der ganzen Familie zu genießen. Deswegen lädt man Verwandte, Nachbarn oder Freunde ein. Die religiöse Feier am Zuckerfest findet in der Moschee statt. Ganz in der Frühe kommen die Familien zu einem Gebet in der nächstgelegenen Moschee zusammen. Überhaupt spielt der familiäre Charakter in dieser Zeit eine ganz besondere Rolle. Deswegen freut sich Canan Ulug schon auf das Fest: "Die ganze Familie trifft sich an diesen Tagen wieder und erfreut sich am Zusammensein." Nach dem Hauptfest am ersten Tag werden in den folgenden zwei Tagen Verwandte und Freunde besucht, wobei gewöhnlicherweise die Jüngeren die Älteren mit ihren Besuchen ehren. Das ist eine Geste des Respekts. Am Zuckerfest erfreuen sich sowohl gläubige, als auch weniger gläubige Muslime, weil es mittlerweile einfach zur Kultur gehört. Es ist genauso wie Weihnachten ein Fest der Liebe und Freude. Besonders für Migranten der ersten Generation in Deutschland sind diese Feste etwas besonderes, weil sie eine Brücke zur Heimat darstellen. Doch alles Schöne hat ein Ende: Mit dem Zuckerfest geht auch die besondere Athmosphäre des Ramadan vorbei. Da bleibt nur noch zu sagen: "Bayraminiz kutlu olsun!" Das ist türkisch und heißt: "Frohes Zuckerfest!" |