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Text von Dienstag, 28. Mai 2002


Gemeinsamkeiten: USA und Israel

Marburg * (ChH)
Wieso unternehmen die USA nichts gegen die Militärpolitik Israels? Nach Meinung von Prof. Ekkehart Krippendorff lässt sich das nicht allein durch die starke jüdische Lobby in den USA und auch nicht mit den amerikanischen Interessen im arabischen Raum erklären.
Seine These legte er am Montag (27. Mai) in einem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Konflikte in Gegenwart und Zukunft" im Hörsaalgebäude der Philipps-Universität dar. Sein ursprüngliches Thema "Zum Selbstverständnis US-amerikanischer Politik" hatte er um die Gemeinsamkeiten von den USA und Israel erweitert.

[Ekkehart Krippendorff]

Krippendorff war jahrelang an bekannten Universitäten in den USA tätig, darunter Havard und Yale. Zuletzt lehrte er an der Freien Universität Berlin und ist nun emeritiert.
"Es gibt keine politischen Gemeinwesen, die sich so von anderen abheben wie die USA und Israel", erklärte er. Sie seien die bedeutensten Staatsneugründungen der Moderne. Es handele sich um "Utopische Projekte" in der Menschheitsgeschichte. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie beide Ein- oder Auswanderungsprojekte sind. Auch haben beide einen religiösen Hintergrund. In den USA suchten die "Pilgrim Fathers" und die "Quaker" religiöse Unabhängigkeit. Bei der Besiedelung hätten nur beide übersehen, dass auf ihrem Gebiet schon Menschen lebten.
Die Ideologie vom "auserwählten Volk" teilten beide. "Im Projekt des jeweils anderen entdecken beide Seiten ihr existentielles Spiegelbild." Wenn die USA und Israel historisch-politische Menschheitsideale seien, zwinge diese Tatsache die Menschen zur emphatischen Teilnahme am jeweils anderen System.
Jedoch sei die Kritik der restlichen Welt notwendig für das Überleben beider Nationen. Die Einstellung "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" untergrabe die Ideologien, auf denen diese Systeme begründet sind.
"Das Amerikaprojekt ist viel zu wichtig, um es der Regierung Bush zu überlassen. Das selbe gilt für Israel und Sharon", ist die Meinung Krippendorffs. Die Bevölkerung der USA werde gar nicht darüber informiert, welche Proteste diese Politik in der Welt hervorruft. Demonstranten in Israel werden von ihren eigenen Landleuten aufs heftigste beschimpft. Dabei hätte schon Martin Buber sich für den Dialog zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt.
Amerika müsse sich zurückbesinnen, forderte Krippendorff zum Abschluss seines gut besuchten Vortrags. Es müsse sich an seinen historischen Ansprüchen selber messen.


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