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Text von Sonntag, 17. Oktober 2004

> b i l d u n g<
  
 Banal brutal: Tagung zu alltäglichem Militarismus 
 Marburg * (fjh/pm)
Zur Tagung "Banal Militarism: Zur Veralltäglichung des militärischen und kriegerischen Habitus" laden das Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität und der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) ein . Die Veranstaltung findet am Freitag (15. Oktober) und Samstag (16. Oktober) statt.
International und interdisziplinär werden Wissenschaftler aus den USA, England, Finnland, Österreich und Deutschland über Begriff, Phänomene und Kontexte des banalen Militarismus aus historischer, kunsthistorischer, soziologischer, politik-, literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Perspektive diskutieren.
Das Phänomen des Militarismus ist in der Vergangenheit häufig anhand des preußisch-deutschen und des japanischen Beispiels diskutiert worden. Der "klassische Militarismus" wird gewöhnlich als eine gesellschaftliche Konstellation verstanden, in der das Militärische eine bevorzugte Rolle in Staat und Gesellschaft spielt. In diesem Sinne wird der Militarismus in der Bundesrepublik wie in vielen anderen Staaten als ein randständiges Phänomen wahrgenommen. Dennoch spielt das Militär eine beträchtliche Rolle in vielen Gesellschaften - im Verbrauch gesellschaftlichen Reichtums, in der öffentlichen Diskussion und im Alltagserleben vieler Menschen.
Ein Begriff existiert dafür allerdings nicht . Trotz zahlloser Kriegsfilme und TV-Reportagen über das Soldatenleben auf Flugzeugträgern, trotz der millionenfachen Verbreitung von PC-Kriegsspielen, trotz Wanderausstellungen wie "Unser Heer", trotz des Auftretens von Jugendoffizieren oder der Präsentation der Bundeswehr mit einem großen Stand bei der Leipziger Buchmesse im März 2003 wurde die ständige Präsenz des Militärs und von Gewalt im alltag bisher noch nicht wissenschaftlich problematisiert.
Auslassungen in der Sprache des Politischen sind aber selten absichtslos, wie der englische Sozialwissenschaftler Michael Billig festgestellt hat. In Anlehnung an seine Überlegungen, die in alltäglichen Handlungen und Diskursen stattfindende Reproduktion des Nationalstaates und der Nation' als"banal nationalism" zu bezeichnen, scheint den Veranstaltern der Begriff des "banal militarism" geeignet. Er soll die entsprechenden sozialen, medialen und kommunikativen Mechanismen erfassen, die die Existenz von Militär, sein öffentliches Auftreten, seinen Anspruch auf Bereitstellung öffentlicher Mittel sowie seinen Einsatz legitimieren.
Den unspektakulären, medial und kommunikativ vermittelten Prozessen und Dimensionen einer Veralltäglichung des militärischen und kriegerischen Habitus widmet sich diese explorativ angelegte internationale Tagung.
 
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