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Text von Mittwoch, 23. Mai 2007

> k u l t u r<
  
 Nachforschung: Was ist los bei Suizid-Schwestern? 
 Marburg * (ule/pm)
"Stilleben mit Hochzeitskleid & seltenen Orchideen" ist ein Theaterstück nach Motiven des Romans "Die Selbstmordschwestern" von Jeffrey Eugenides. Der rätselhafte Selbstmord wurde nun zu einer Inspirationsquelle für den german stage service. Seine Premiere feiert das Stück am Freitag (1. Juni) um 20.30 Uhr im Theater im g-werk.
Ende der 60er Jahre erschüttert der Selbstmord der 13jährigen Cecilia eine kleine Provinzstadt an der Ostküste Amerikas. Die fieberhafte Suche nach den Gründen ihrer Tat droht eine Welt zu sprengen, in der alles in bester Ordnung schien. Es sind vor allem die Nachbarsjungen, die fortan fasziniert das "Haus des Unglücks" beobachten, in dem die vier übrig gebliebenen Schwestern in zunehmende Isolation fallen.
Sie setzen ihre Beobachtungen der Ereignisse zusammen und stoßen dabei immer wieder auf die drängende Frage nach der Schuld. Kann sie in der verklemmt-konservativen Gesellschaft gefunden werden, im gottesfürchtigen Elternhaus, im Schweigen? Oder aber ist der Selbstmord immer auch ein selbstbestimmter und befreiender Akt, hinter dem der Entschluß steht, in einer als fremd und falsch empfundenen Welt nicht leben zu wollen?
In ihrer Inszenierung setzt die mexikanische Choreographin und Regisseurin Graciela Gonz lez de la Fuente die Teile der Geschehnisse wie ein Puzzle zusammen. Drei der Schwestern (Mosa Anna Essel, Meri Koivisto und Stefanie Tauber) kehren Jahre später an den Ort der Geschehnisse zurück und versuchen die Geschichte zu rekonstruieren. Dabei wechseln sie fließend die Erzählerperspektiven. Distanziert nehmen sie die Standpunkte der beobachtenden Jungen ein. Sie zitieren Aussagen von Lehrern oder Nachbarn und begeben sich in erinnerbare Momente oder Dialoge.
Doch auch ihr Bericht erklärt die Ursachen des Selbstmordes nicht, sondern läßt ihm trotz aller möglichen Deutungen ein unergründbares überweltliches Geheimnis. Es bleiben Lücken, die sich auch mit all den zusamme getragenen Spuren, Hinweisen und Erklärungen nicht schließen lassen.
 
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