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Text von Freitag, 5. Oktober 2007

> k u l t u r<
  
 Spannend losgelegt: Krimi-Autor Wagner las im Auflauf 
 Marburg * (jnl)
Zur Halbzeit des fünften Marburger Krimi-Festivals gastierte am Donnerstag (4. Oktober) Jan Costin Wagner im Szenario im Auflauf. Der 35-jährige Südhesse stellte dort seinen vierten Kriminalroman "Das Schweigen" vor.
Wagners mittlerweile in mehreren Sprachen erschienene psychologische Krimis haben dem studierten Germanisten internationale Anerkennung eingetragen. Bereits 2002 erhielt er den Marlowe-Preis der Raymond-Chandler-Gesellschaft.
Dieser anhaltende Erfolg erlaubte dem früheren Journalisten, sich als freier Schriftsteller ganz dem Roman-Schreiben zu widmen.
Ein freundlich und sportlich wirkender Autor in Jeans, Turnschuhen und leuchtend rotem Sweater enterte die Lese-Bühne am Steinweg. Schulterlange dunkle Haare rahmen ein junges Gesicht mit wachsamen, flinken Augen ein.
Wagner las in ruhigem, weichem Tonfall den Prolog, der die Vorgeschichte zum aktuellen Fall enthielt. Dann folgten einige kurze Kapitel über die sehr unterschiedlichen Reaktionsweisen der Beteiligten.
Die Angehörigen des entführten Mädchens, die ehemaligen Täter, die nie geschnappt wurden, sowie die vormals erfolglosen Polizisten werden in ihren Gedanken und Handlungen geschildert. Ihre jeweils subjektiven Sichtweisen auf das Geschehen ergeben ein spannendes, vielstimmiges Bild von der persönlichen Verarbeitung eines Verbrechens, wie die Medien-Berichterstattung es kaum jemals ermöglicht.
Die Fragen aus dem Publikum beschäftigten sich - wie immer - besonders mit der Verbindung des Autobiographischen zu den Roman-Inhalten. Wie kommt ein deutscher Krimi-Autor zu einem Schauplatz der Ermittlungen in der mit 180.000 Einwohnern drittgrößten finnischen Stadt Turku?
Es stellte sich heraus, dass Jan Costin Wagner nicht nur eine finnische Ehefrau hat, einige Jahre lang die Hälfte des Jahres dort lebte und überdies seit 15 Jahren eine enge Bindung zu Finnland aufgebaut hat. Er liebe die andersartige Intensität dort, sagte der Schriftsteller dazu.
Ob es ihn freue, dass er als "Meister der Kälte" von der Literaturkritik gepriesen werde, wurde er gefragt. Ja, natürlich, entgegnete er schmunzelnd. Schließlich sei es auch ein dickes Lob und die Medien brauchten nunmal griffige, volltönende Vokabeln. Andererseits sehe er sich selber nicht als bloßer Bediener einer Krimi-Genre-Erwartung, sondern als Schreiber eines Gesellschaftsromans, der die psychologischen Beweggründe der beteiligten Menschen ausleuchte.
Der Roman "Das Schweigen" zeigt die Menschen als Einsame und handelt zugleich vom Aufbrechen der Einsamkeiten. Aufgezeigt wird, was alles hinter der Medien-Nachricht von einer Entführung stecken kann. Die inneren Dramen der verwickelten Personen werden greifbar.
Der Autor hat selbst eine dreijährige Tochter. Er recherchierte natürlich realistische Abläufe. Aber das meiste beim Schreiben schöpfte er aus der Einfühlung in seine Gestalten. Der Kommissar Kimmo Joentaa ist eine Hauptfigur mit viel Innenleben, die - wie der Leser - alles Vorfallende in sich bindet.
Die Konflikte und Meinungsverschiedenheiten der Protagonisten untereinander bereitet Wagner zugleich sehr unterhaltsam auf. Die Sprache trägt die Handlung ohne übertriebene Action und Effekthascherei.
Die rund 35 Besucher der Autorenlesung - zu 80 Prozent Frauen - waren sehr angetan von dem uneitlen, frischen Auftreten des erfolgreichen Schriftstellers. Mit viel Beifall und einer langen Schlange zum Signieren belohnten sie sowohl den Autor als auch die Veranstalter.
 
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