Text von Samstag, 20. Januar 2007
Tatort Schule: Woher kommt die Wut der Vandalen? | ||
Marburg * (fjh)
Gleich drei Marburger Schulen wurden in den zurückligenden wier Wochen verwüstet. Als Motiv für diesen Vandalismus gaben zwei Jugendliche, die eine dieser drei Taten verübt hatten, die Begründung "Just for Fun". Diese Vorgänge sollte man als Warn-Signal verstehen: Die Schulen erzeugen bei den Jugendlichen offenbar heftige Aggressionen. Diese Wut auf die Schule entladen sie dann, indem sie das Gebäude aufsuchen und verwüsten. In der Theodor-Heuss-Schule, der Richtsberg-Gesamtschule (RGS) und der Pestalozzischule ließen Vandalen ihrer Aggression freien Lauf. Alle drei Schulen boten hinterher ein Bild sinnloser Zerstörung. "Just for Fun" haben zwei Jugendliche sich auf dem Richtsberg ausgetobt. Dabei hat sich einer von ihnen sogar verletzt. Die Wunde führte die Polizei schließlich auf seine Fährte. Wie abgrundtief müssen diese jungen Leute die Schule wohl hassen, wenn sie nicht einmal ihre eigene körperliche Unversehrtheit beachten! Angesichts dieser Vorgänge drängen sich beklemmende Erinnerungen an Amok-Läufe in verschiedenen Schulen auch in Deutschland auf. Die Schulen sollten deswegen lieber einmal gründlich über ihre Strukturen nachdenken! Das derzeitige Lern-System basiert auf Druck und Ausgrenzung. Fehler helfen den Schülern nicht, daraus zu lernen; sie werden schlecht benotet und bloßgestellt deswegen. Lehrer müssen seit Jahren immer mehr Stunden pro Woche unterrichten. Die Zeit für eine gründliche vor- und Nachbereitung des Unterrichts fehlt ihnen schon wegen der vielen Korrekturen, die durch die Verringerung der Wochenstunden ihrer Klassen und größere Klassenstärken sowie neu eingeführte Einheits-Prüfungen noch mehr geworden sind. An eine zugewandte Pädagogik oder Psychologie ist da schon gar nicht mehr zu denken! Angesichts der Zustände an deutschen Schulen sind die Ergebnisse der Pisa-Studien wahrlich kein Wunder! Frustrierte Lehrer und gedemütigte Schüler sind der "Humus", auf dem Aggression und Gewalt gedeihen können. Ansätze in anderen Ländern, aber auch pädagogische Konzepte wie die der Montessori-Schulen und anderer freier Bildungsrichtungen zeigen indes, dass Schule auch anders aussehen könnte. Doch in Deutschland beginnt die Misere schon beim Lehramts-Referendariat. Statt einer zielführenden Lehrer-Ausbildung hin zu einfühlsamer Vermittlung von Wissen werden dort kreative Menschen gedeckelt, bis sie zu angepassten Duckmäusern geworden sind. Die Fach- und Seminarleiter herrschen heute noch nach Gutsherren-Art über die Noten und damit die Zukunft der Referendare. Ein menschenfreundlicheres Referendariat wäre der erste Schritt hin zu einer besseren Schule. Bildung ist das wichtigste Gut, das Deutschland hat! Haben könnte, muss man leider feststellen. Denn noch verspielt das deutsche Schulsystem die Chancen der künftigen Generationen weitgehend. Eine andere Schule ist möglich. Eine andere Schule ist dringend nötig | ||
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