Text von Mittwoch, 10. April 2002
Marburg * (FJH)
Wahrscheinlich wird es noch sehr lange dauern, bis wir uns endlich an ihn gewöhnt haben werden. Der "Euro" ist am Mittwoch (10. April) genau 100 Tage lang gültig. In dieser Zeit mussten wir an Teuerungen gewöhnen, wie sie sonst nur in Zeiten galloppierender Inflation vorkommen. Erfreulicherweise kassiert der Handel jetzt die gerechte Quittung für unverschämtes Hinlangen: Noch nie ging es dem Handel so schlecht wie jetzt! Bei der Dönerbude um die Ecke muss ich jetzt 3,50 Euro hinlegen. Im Dezember zahlte ich für dieselbe Speise noch 6 DM. In Marburgs Gaststätten ist kaum ein Gericht unter 6 Euro zu bekommen; die Preise liegen eher oberhalb von 8 Euro. Im Dezember aßen Kneipen- und Gaststättenbesucher in Marburg durchaus noch für 9,50 bis 12.50 DM ein sättigendes Gericht. Jetzt kann man sich kaum noch noch leisten, essen zu gehen. Aber auch die Gastronomen werden die Zurückhaltung ihrer Kundschaft deutlich zu spüren bekommen. Natürlich hat die Umstellung auf die neue Währung Geld gekostet. Das müssen alle diejenigen irgendwie erwirtschaften, die neu Kassen oder Automaten anschaffen, Personal schulen und in größerer Zahl einsetzen mussten als zu Zeiten der guten alten DM. Das haben sie schon im Dezember gewusst. Aber da hieß es noch mit treuem Augenaufschlag, nach Einführung des Euro werde einiges wegen der "Schwellenpreise" sogar billiger werden. Das hat sich inzwischen als billige Propaganda entpuppt. Bei Reisen in europäische Nachbarländer kann es nun einfacher werden. Ansonsten stehen aber schon die nächsten Teuerungsfaktoren vor der Tür der EU: Die Ost-Erweiterung muss schließlich auch bezahlt werden. So mag sich mancher wehmütig an die DM erinnern, die wenigstens hart war wie Krupp-Stahl. Die Verweigerung überteuerter Einkäufe mag mithelfen, dass sich die Preisspirale nicht noch weiter nach oben drehtreht. Und eine Kette von Banknoten mit dem Bild der Bettina von Arnim mit dem Aufdruck "5 DM" soll am 1. Mai Behinderten zu einer schönen Schule verhelfen. Ansonsten bleibt den Bundesbürgerinnen und -bürgern eines nicht erspart: Der Teuro! |